Veranstaltung: | KMV05/2021-Rotenburg Wümme |
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Tagesordnungspunkt: | 4.3. WB3-Stadt Rotenburg (Wümme), Samtgemeinde Sottrum |
Antragsteller*in: | Marc Andreßen (KV Rotenburg/Wümme) |
Status: | Eingereicht |
Eingereicht: | 26.06.2021, 00:01 |
BW22: Marc Andreßen
Selbstvorstellung
Ich bin 53 Jahre alt und habe zwei Kinder, Frederike, 19 und Michel 16. Meine Kinder gehen in Rotenburg zur Schule. Der Opa meiner Kinder und ihre Mutter kommen beide aus Sottrum. Ich wohne seit 2001 im Landkreis, zunächst in Hemsbünde seit 17 Jahren nun in Rotenburg.
Ich habe nach langer Tätigkeit als Projektmanager im IT-Sicherheitsbereich für Konzerne und Banken nun die Möglichkeit einen größeren Teil meiner Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten einzusetzen, da ich neben meinem Hauptberuf auch noch einen Versandhandel habe. Einen Schwerpunkt meines Engagemnts liegt dabei bei den Grünen und Grüner Politik. Ich. bin z.B. Sprecher der Grünen in Rotenburg. Ich kandidiere ebenfalls für den Rat der Stadt Rotenburg.
Meine poltischen Schwerpunkte, soweit sie den Kreis betreffen, würde ich im Bereich Klimaschutz und der Mobilität sehen.
Klimaschutz
Ich habe ( Bonn, Madrid) auf zwei Klimakonferenzen für die UN in der Organisation gearbeitet und hatte bei der Gelegenheit die Möglichkeit, mich mit vielen Fachleiten aus vielen Ländern auszutauschen und sehr viele verschiedene Blickwinkel kennenzulernen - aber auch viele Herausforderungen, vor denen Menschen und Gesellschaften rund um den Globus stehen. Ich bin Gründungsmitglied der "Parents-For-Future" im Landkreis Rotenburg, weil ich neben der Politik die Bürgerbewegungen als wichtige Vermittler und Treiber für Klimathemen sehe. Mir ist es wichtig, dass wir sozial ausgewogene Lösungen etablieren, um auch im ländlichen Raum unsere CO2 Reduktionsziele zu erreichen. Aktuell sind in Deutschland noch rund 800 Megatonnen CO2 jährlich einzusparen. Das bedeutet auch dass die Auseinandersetzungen zunehmen werden, in welchem Bereich sie zuerst und und in welchem erst später reduziert werden muss. Nachdem der Bundesgerichtshof Wirksame Klimapolitik eingefordert hat, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Anforderungen auch auf kommunaler Ebene ansteigen werden.
Mobilität
Viele Mobilitäts-Themen sind Großstadt-getrieben. Das hat man zuletzt an den Kampagnen-Plakaten gesehen, die aus Hannover kamen. Wenn wir hier für "mehr Straßenbahn" oder "alles mit dem Fahrrad machen" werben, dann kommt das vielen Menschen zu Recht weltfremd vor. Denn die Herausforderung auf dem dünn besiedelten Land sind andere, als die in Ballungzentren oder Großstädten. Daher müssen wir auf dem Land andere Mobilitäts und Versorgungs-Konzepte finden. Die Versorgung erwähne ich hier, weil ein Rückzug der Versorgung (z.B. der ärztlichen Versorgung) eben auch neue Mobilitäts-Anforderungen stellt.
Wirtschaft
Wir haben im Landkreis viele Pendler wohnen, die in Richtung Hamburg oder Bremen pendeln, wir haben einpendelnde Arbeitnehmer und Handwerksbetriebe, deren Größe nicht ohne überregionale Auftragsannahme (z.B. Dachdecken in Hamburg) nicht zu halten wären. Wir müssen daher auch unsere lokale Wirtschaft im Blick haben. Klimawandel und sich veränderne Mobilität werden sie in vielen Bereichen vor neue Herausforderungen stellen. Es ist daher auch wichtig, dass wir Unternehmen ansiedeln, die in Zukunftsbranchen tätig sind. Der Klimawandel wird in bestimmten Unternehmenszweigen ein Job-Motor sein, in anderen Bereichen (z.B. Atomobilzulieferer für den Verbrennungsmotorenbau) werden Arbeitsplätze abgebaut werden. Es muss ein Ziel grüner Politik sein, nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen - "nachhaltig" in zweierlei Sinn: sie müssen dauerhaft sein UND sie müssen unterstützen, dass Wertschöpfung im Landkreis klima- und umweltverträglicher wird.
Bildung
Bildung bleibt eine Herausforderung. Das beginnt bei der vorschulischen Bildung und hört nach dem letzten schulischen Bildungsabschluss nicht auf. Wir müssen hier Akzente setzen, was die Bidungsgerechtigkeit anbetrifft und den Zugang zu Bildung verbessern. Gleichzeitig müssen wir auch darauf achten, dass die sozialen Kompetenzen nicht in den Hintergrund rücken im Ansinnen, Bildung "Marktkonformer" zu gestalten und Absolventen "Arbeitgeberkonformer", denn Absolventen werden weiterhin vorrangig Mitmenschen und Bürger bleiben. Wir haben anlässlich der Pandemie gesehen, dass wir nicht auf das "Distanzlernen" eingerichtet waren. Eine Hürde war sicherlich Digitalisierungs-Defizite - aber eben auch unsere Lern- und Bildungs Kultur, die nicht mal eben ein Umschalten auf ein Distanzlern-Format erlaubte. Wir sollten zukünftig aus den Erfahrungen des Distanz-Unterrichts währende des Lockdowns unsere Lehren ziehen und uns auch insbesondere fragen, wie eine bessere psychosoziale Betreuung von schulpflichtigen Kindern geleistet werden kann. Ihnen aufzutragen, sich ein paar Stunden vor den Computer zu setzen reicht nicht aus - das ist eher ein Armutszeugnis.
Landwirtschaft
ich bin auf einem Bauernhof mit Massentierhaltung aufgewachsen, Bin Gülle-gefahen und habe die Felder bestellt, Lämmer zur Welt gebracht als Geburtshelfer, tote aufgedunsene Schweine an einem Strick aus dem Stall an die Verladerampe gezogen und Kanister mit Pflanzenschutzmitteln ausgewaschen, so dass wir mit denen Diesel zum Feld fahren konnten. Landwirtschaft volles Programm. Nun das liegt schon einige Jahrzehnte zurück und Landwirtschaft hat sich weiterentwickelt. Einige alte Probleme sind geblieben einige sind weniger geworden, neue sind hinzugekommen. Für unseren Landkreis, der geprägt ist von intensiver Landwirtschaft und besonders intensiver Tierhaltung müssen wir weiter an einem Wandel arbeiten, was ein zähes Geschäft ist. Wir haben weiter ein Högfesterben und die "überlebenden" Höf werden immer größer, gleichzeitig gibt es eine hohe Nachfrage nach Land und die Preise steigen weiter. Bei allen Herausforderungen müssen wir darauf achten, dass die Landwirtschaft nachhaltig wird und keine Altlasten schafft, wie z.B. die Bodenverdichtung, Nitrateinträge und den Rückgang der Biodiversität. Der "Niedersächsische Weg" ist ein guter erster Ansatz, und besser als nichts. Trotzdem müssen wir die Erfolge des Niedersächsischen Weges überwachen und die Ziele nachschärfen, um die Weichen weiter in Richtung einer Natur- und umweltgerechten Landwirtschaft zu stellen.